Erklären Sie doch zum Einstieg in einem Satz, was EIBROM eigentlich macht.
Jürg Keller: EIBROM macht eigentlich zwei Sachen: Erstens schulen wir Planer, Elektroinstallateure etc. im Umgang mit KNX-Systemen und zweitens sind wir selbst Systemintegratoren für das KNX-Bussystem.
Auf das Thema Bussysteme werden wir zurückkommen. 10 Jahre EIBROM: Was treibt Sie beide jeden Tag wieder von Neuem an? Haben Sie noch keine Ermüdungserscheinungen?
Roland Keller: Nein, es passiert jeden Tag sehr viel. Der Markt wächst nach wie vor. Jeden Tag sehen wir neue Sachen, auch bei den Herstellern.
Wir haben immer wieder neue Vorstellungen und Ideen, die wir dank dem technischen Fortschritt verwirklichen können. Jürg Keller: Es wird einfach nie langweilig in unserem Gebiet.
Wie entstand eigentlich EIBROM?
Jürg Keller: Ich habe bei der Arbeit von Otto Fischer, einem Elektrogrosshändler, ein EIB-Flugblatt gesehen. Darauf stand, EIB, (Anmerkung der Redaktion: EIB war der Vorläufer des heutigen KNX) sei «die Zukunft». Ich wollte das unbedingt lernen. Ich ging darauf hin zu meinem damaligen Chef und sagt ihm das. Er nahm mich nicht ernst und meinte nur, ich solle wieder arbeiten gehen. Daraufhin wechselte ich die Firma und konnte eines der ersten KNX-Gebäude der Schweiz, das UBS-Gebäude in Zürich, installieren. Obwohl es über 70 Hersteller gab, führte nur ein Hersteller Schulungen durch. In der Folge dachten viele Elektroinstallateure, dass das System dieses Herstellers das einzige EIB-System sei. Dies war aber mit über 70 Herstellern so nicht wahr. Mir lag und liegt immer noch sehr viel an der Herstellerunabhängigkeit von KNX. Ich habe erkannt, dass es eine herstellerneutrale KNX-Schulung braucht. Darum habe ich EIBROM gegründet. Neben den Schulungen begleitete ich auch einige KNX-Projekte.
Nach immer mehr Anfragen musste ich mir bald überlegen, wie ich EIBROM vergrössern konnte. Ich hatte den Gedanken, dass ich das Vorhaben mit meinem Bruder als Partner EIBROM weiterbringen könnte. Als wir dann eines Tages zusammen von der Ineltec nach Hause fuhren, fragte ich ihn, ob er bei EIBROM mitmachen wolle. Er willigte sofort ein.
Dann ist EIBROM eigentlich als EIB/KNX-Ausbilder entstanden und nicht als Systemintegrator?
Jürg Keller: Ich wollte wie gesagt nur Schulungen geben. Wir haben schon von Anfang Projekte betreut, aber nur nebenbei. Der Fokus lag klar in der Ausbildung. Viele wollten und benötigten am Anfang Hilfe, als EIB noch neu war. Heute ist es umgekehrt, wir leben vor allem von den Projekten. Die Schulungen machen wir nur noch nebenbei.
Erzählen Sie ein wenig von den Anfängen.
Jürg Keller: Am Anfang hatte wir Freude daran, mit EIB einen Storen über einen Taster auf und ab zu steuern. Heute ist das eine Grundfunktion, über die ich mir keine Gedanken mehr mache. Heute bediene ich ein ganzes Haus mit dem iPhone. Der technologische Wandel ist kaum zu glauben. Roland Keller: Das Bewusstsein der Leute für Technik hat sich geändert. Heute hat jeder Internet zu Hause. Früher mussten wir froh sein, wenn jemand überhaupt einen Anschluss hatte. Heute können wir uns freuen, dass die Technik selbstverständlich wird. Früher mussten wir erklären und überzeugen.
Und besondere Erlebnisse mit Kunden?
Jürg Keller: Besonders war das Objekt in Thailand in Phuket. Auf der Baustelle waren 30 Arbeiter, von diesen hatte jeder Frau, Kinder und gar die Hunde mit dabei. Arbeiten taten nie mehr als 20 miteinander, alle anderen lasen Comic. Dort liest, so dachte ich, einfach jeder Comics. Und am Mittag gab es immer ein grosses Essen, dass die Frauen vor Ort auf den Baustellen zubereiteten. Einmal sagte ich, dass wir ein Gerüst bräuchten. Am anderen Tag hatten wir ein wackeliges Bambusgerüst. Einen solchen Kulturunterschied zu sehen, dass war sehr spannend.

Welches war Ihr erster grosser Auftrag?
Jürg Keller: Der erste Auftrag war in Adliswil. Wir unterstützten dort ein grosses Elektrounternehmen bei der Programmierung für ein neues Geschäftshaus. Welches der erste grosse Auftrag war, ist schwierig zu sagen. Wir konzipieren vor allem Einfamilienhäuser, Villen oder Wohnungen, welche alle in einem ähnlichen Still gebaut werden. Da ist die Grösse relativ. Von der Gebäudegrösse her. Roland Keller: Grosse Aufträge realisierten wir als Partner von grossen Elektrounternehmungen. So konnten wir Geschäftshäuser und Schulen programmieren.
Wenn man einem Laien von Bussystemen erzählt, verstehen diese meist nur Bahnhof. Wie erklären Sie in wenigen Worten ein Bussystem, damit es jede Leserin und jede Leser verstehen wird?
Jürg Keller: Es kommt darauf an, ob es ein Kunde ist oder ein Freund, dem ich es erkläre. Beim Kunden würde ich die Möglichkeiten und Optionen erklären. Beim Kunden rede ich nicht vom Bussystem, sondern zeige ihm die Funktionalitäten. Bei einem Kollegen frage ich einfach, ob er das Projekt Futurelife in Hühneberg kennt? Genau das machen wir. Roland Keller: Es ist besser, nicht zu tief in die technischenn Details zu gehen, sonst macht man den Leuten Angst. Lieber laden wir Sie zu uns ein und zeigen im Showroom die Möglichkeiten. Jürg Keller: Bei uns sind alle jederzeit willkommen, unseren Showroom zu besuchen, auch wenn jemand nicht bauen will. Roland Keller: Genau aus diesem Grund hatten wir ja auch schon sehr früh einen Showroom. Jürg Keller: Am Anfang hatten wir die Wohnung von Roland beim Umbau als Beispiel installiert. Dann sind wir mit Kunden zu ihm nach Hause gefahren oder haben mit Kunden das Futurelife in Hünenberg besucht. Jetzt ist das viel einfacher, wir können mit Kunden schnell und spontan in unseren Showroom oder ihm meine Wohnung zeigen Roland Keller: Wir haben viel gelernt in den letzten 10 Jahren. Wir haben Freude an Technik.
Am Anfang wollten wir gute Technik verkaufen. Heute stehen die Funktionalitäten, die Möglichkeiten und die Optionen im Vordergrund, nicht mehr die alleinige Technik.
Bussysteme sind ja nicht nur für die Bauherrinnen und Bauherren ein Fremdwort, sondern oft auch für die Installateure selbst.
Jürg Keller: Genau darum haben wir einige Partner, mit denen wir erfolgreich zusammenarbeiten. Diese vermitteln wir unseren Kunden, wenn diese keinen versierten Elektroinstallateur oder Elektroplaner haben. Doch grundsätzlich können wir mit jedem Elektroinstallateur zusammenarbeiten, der ein Schema lesen kann. Viel wichtiger ist es, dass ein Elektroplaner die Technologie versteht.
Wie ist da Ihrer Meinung nach der Wissensstand der Installateure?
Jürg Keller: Das Interesse ist heute defi nitiv vorhanden. Wir haben immer mehr Anfragen für die Schulungen. Weiterbildung ist ein Thema. Grosse Firmen haben schon mehrere ihrer Mitarbeiter bei uns in Kurse geschickt. Es sind vor allem Elektroinstallateure und Planer, welche unsere Kurse besuchen. Roland Keller: Der Beruf wandelt sich. Kürzlich war ich auf einer Baustelle und sah, dass ein Elektriker nicht nur Werkzeug im Baucontainer hatte, sondern auch einen Laptop. Der ruft auf der Baustelle seine Mails mit einer Selbstverständlichkeit ab, als ob das schon immer so gewesen wäre. Dieser Elektriker hatte sich sehr viel Wissen über KNX selbst erarbeitet. Junge Elektriker haben allgemein grosse Freude an solchen neuen Technologien. Jürg Keller: Eine Visualisierung ist auch viel interessanter als eine Schema-3-Schaltung, eine Lampe mit zwei Schaltern.
Wagen wir einen Blick in die Kristallkugel. Wo könnte EIBROM in fünf Jahren stehen?
Jürg Keller: Wir wollen noch mehr Tools anbieten, wir wollen mehr softwarebasierte Tools entwickeln. Wir arbeiten ja schon seit fünf Jahren mit unserem EIBROM Projekt-Tool und überlegen schon lange, wie wir das auch anderen Systemintegratoren zur Verfügung stellen könnten. Dazu müssen wir aber ein Lizenzmodell entwickeln, welches für alle Beteiligten stimmt. Vor lauter Tagesgeschäft kommen wir leider einfach zu wenig dazu, diese grundsätzlichen Sachen anzugehen. Wir werden mit mehr Partnern zusammenarbeiten, wir werden auch eine noch engere Zusammenarbeit mit Elektrikern haben, die unsere Visualisierungen brauchen wollen. Wir werden zum Beispiel Applikationen im Appstore von Apple anbieten, damit man die ganze Wohnung über das iPhone steuern kann. Es gibt immer mehr Geräte, wir wollen herausfi nden was diese können und wie man diese integrieren kann. Wir übernehmen damit für unsere Partner die aufwändige Vorarbeit und können ihm genau aufzeigen, was Geräte können und wie man sie vernetzen kann. Roland Keller: Wir wollten immer Geräte, die viel können. Wir brauchen Geräte, die schnell und mobil sind. Jetzt sind wir an diesem Punkt angelangt. Ein Mobiltelefon hat nun genug Rechenpower für eine Visualisierung. Wir werden uns getrauen, technologisch einen grösseren Schritt zu machen in Bezug auf die Funktionalität. Jürg Keller: Wir wollen die Firma nicht vergrössern, wir wollen jedoch noch mehr mit Partnern zusammenarbeiten. Wir wollen mehr Software verkaufen. In fünf Jahren werden unsere Partner Inbetriebsetzungen im Normalfall selber machen.
Nach dem Rückblick und den Blick in die Zukunft ein wenig Selbstkritik. Ihr Ruf eilt Ihnen oft voraus. Wo denken Sie, könnten Sie sich dennoch verbessern?
Jürg Keller: Technik und Funktionalität sind bei uns einzigartig. Verbessern könnten wir uns noch im Projektmanagement, z.B. auch bezüglich nachträglichen Änderungen und deren Kosten sowie in der Administration. Wir machen viel, haben viele Ideen und ich bin viel unterwegs. Technisch reizen wir das Limit bereits aus. Roland Keller: Gute Lösungen sind viel komplexer als nur die Technik selbst. Es braucht sehr viel Zeit für alles rundherum. Das ist bei allen Firmen so. Wir konnten organisatorisch bereits sehr viel optimieren, aber es bleibt noch einiges zu tun. Jürg Keller: Verbessern können wir uns – wie Roland gesagt hat – intern. Auf der Kundenseite war die Konzentration auf Funktionalität immer da. Die ist bei uns gut, wir sind klein und fl exibel und wollen diese Grösse behalten.
Herr Keller, IhreWohnung dient ja zeitgleich als Showroom. Die Installationen haben Sie nach Fertigstellung der Wohnung nachgerüstet, weil Sie diese zu einem späten Realisierungszeitpunkt übernommen habt. Wie kommt das bewohnte Beispiel bei den Besuchern an?
Jürg Keller: Sehr gut, die Leute fi nden es lässig, bewohnte Objekte zu sehen. Für Besucher ist das nur positiv. Ich teste alles selbst im Alltag.
Meine Frau Monika sagt mir dann, wenn etwas nicht optimal ist, sie hat nicht die technische Sicht, wie ich sie habe, sondern eine ganz praktische.
Wenn ich dann die Wohnung wieder umprogrammiere, ist sie jeweils mehr oder weniger erfreut.
Und welche Funktionen schätzen die Besucher am meisten?
Jürg Keller: Das Touchpanel mit der Visualisierung. Dem letzten Besucher war vor allem das Multiroom Audiosystem sehr wichtig. Einigen wiederum gefällt die Vernetzung der Haushaltsgeräte wie Waschmaschine oder Tumbler. Jeder fi ndet etwas, dass ihm besonders gefällt. Intelligentes Wohnen ist sehr individuell. Das gute für die Besucher ist, erst den Showroom zu sehen und dann ein bewohntes Objekt. Roland Keller: Das war auch ein Grund, hierher an die neue Adresse zu ziehen. Hier haben wir den Showroom und das bewohnte Beispiel im selben
Und was wünschen Sie sich für die Zukunft von EIBROM?
Jürg Keller: Das wichtigste ist, dass wir gesund bleiben. Dass wir weiterhin eine so tolle Kundschaft wie heute haben werden. Und dass unsere neue Tools und Dienstleistungen die Kundebendürfnisse auch weiter abdecken. Jetzt ist auch der Markt bereit. Roland Keller: Dass es weitergeht wie bis jetzt. Ich glaube, in der nahen Zukunft können wir einen grossen tech-nologischen Schritt machen, den wir schon lange angestrebt haben. Bis jetzt hatten wir viele Ideen, aber noch zu wenig Zeit, diese zu realisieren. Neue Ideen sind schnell verkauft, aber alles muss stimmen, die Funktionalität, die Integration, einfach alles. Jürg Keller: Dass wir wissen, was unsere Kunden effektiv wollen, Roland wird es technisch sicherlich umsetzen können.
Ich würde mir wünschen, dass unsere Ideen auch weiterhin nahe am Kundenbedürfnis sind.
Sie sind ja nicht nur Geschäftspartner, sondern auch Brüder. Gab das nie Probleme?
Jürg Keller: Wir sind total verschieden, hat jeder sein Gebiet. Roland ist mehr im Büro, er ist der Tüftler und Entwickler. Ich hingegen bin mehr der Verkäufer, ich bin viel unterwegs und bei Kunden. Wir haben nicht immer die gleiche Meinung, aber streiten tun wir uns nie. Roland Keller: Ansonsten vermittelt dann auch einmal unsere Mutter.